Wo Neutsch liegt

Der Filalort Neutsch liegt 3 Km nordöstlich von Ober-Beerbach, zu Fuß etwa eine halbe Stunde entfernt. Neutsch liegt in einer Talsenke auf einer Höhe von 320 Metern über NN. Die „Hutzelstraße“ (vom Felsenmeer bis Dieburg) führt hier vorbei.
Neutsch gehört zur politisch zur Gemeinde 64397 Modautal.
Ortsvorsteher von Neutsch ist zur Zeit Heinrich Laut.
Im Ober-Beerbacher Kirchenvorstand wird Neutsch von Ulrike Dehlinger und Ulla Schuchmann vertreten.

Neutsch

Von den etwa 450 Einwohnern sind ca. 150 Mitlgieder unserer Kirchengemeinde. Vom Charakter her ist Neutsch ein Dorf mit großen Bauernhöfen. Noch werden einige Höfe bewirtschaftet, Land und Viehwirtschaft mit Pferdehaltung sind präsent.
Früher kamen viele Ober-Beerbacher nach Neutsch „in Stellung“, das heißt sie arbeiteten als Knecht oder Magd auf einem der Höfe.

Leben in Neutsch

In Neutsch gibt es drei recht aktive Vereine: Die Freiwillige Feuerwehr, den Singkreis Neutsch und den Historischen Verein Neutsch. Zusammen mit der Kirchengemeinde, sorgen sie dafür, dass es in Neutsch immer wieder etwas zu feiern gibt.

Neutscher Terminkalender

Mai Christi Himmelfahrt Freiluft-Gottesdienst auf dem Neutscher Dorfplatz mit Singkreis und Posaunenchor
Juli, 2. Wochenende Neutscher Kerb Am Kerbsonntag beginnt der Tag mit einem Gottesdienst mit Singkreis. Danach sorgt die Feuerwehr für das Mittagessen.
3. Oktober Historischer Markt Der Historische Verein läßt auf dem Hof von Peter Pritsch vergangene Zeiten wieder lebendig werden
6. Dezember Neutscher Nikolaus Der Neutscher Nikolaus kommt mit dem Posaunenchor aus Ober-Beerbach und dem Neutscher Singkreis.
24. Dezember Christmette um 22 Uhr Die Pfarrerin, die Neutscher Konfirmanden und der Singkreis gestalten die Christmette gemeinsam.

Geschichte von Neutsch

Zum ersten male in einer Urkunde taucht der Name Neutsch (damals „Nysz“) am 28. Februar 1347 auf. Damals verkauften es die Herren von Rodenstein an die Grafen zu Katzenelnbogen. Später kam es an die Herren von Wallbrunn, die nach dem dreißigjährigen Krieg auch die Neubesiedelung in die Wege leiteten.

Zur Kirchengemeinde Ober-Beerbach gehört Neutsch seit dem 1. April 1897.
Von alters her war Neutsch Teil des Kirchspiels Neunkirchen, weswegen auch der Friedhof in Neutsch mit Blick auf die Neunkircher Kirche angelegt wurde. Die Entfernung zwischen Neutsch und dem Pfarrort Neunkirchen ist groß. Zu Fuß ist man über zwei Stunden unterwegs, so daß es oft Probleme gab. Eine frühere Umpfarrung nach Ober-Beerbach hätte aber auch nichts gebracht. Ober-Beerbach war zwar seit dem Mittelalter ein eigener Pfarrort, aber in der Reformation (1541) wurden die Pfarrer knapp, so daß der Pfarrer von Nieder-Beerbach die Pfarrei Ober-Beerbach „eine zeitlang“ mitversehen sollte. Erst im Dezember 1823 wurde ein eigener Pfarrer für Ober-Beerbach ernannt, der im Jahr darauf seinen Dienst antrat.

Im Juli 1824 ließ sich der Hofbesitzer Jakob Keller nach Ober-Beerbach umgemeinden. 1863 reichte die Gemeinde Neutsch ein Gesuch auf Umpfarrung ein. Der Kirchenvorstand von Ober-Beerbach und das Oberkonsistorium (Kirchenleitung) hatten nichts gegen eine Umpfarrung. Neunkirchen weigerte sich jedoch. Man fürchtete den Einnahmeausfall für die Kirchenkasse, und daß weitere Filialorte sich ebenfalls auspfarren lassen würden. Immerhin wurde den Neutschern erlaubt, in Ober-Beerbach den Konfirmandenunterricht zu besuchen, und sich dort auch Konfirmieren zu lassen. Wegen der Entfernung zwischen Neutsch und Neunkirchen kam es immer wieder vor, daß zwischen standesamtlicher und kirchlicher Trauung mehrere Monate lagen. Im November 1888 landete ein solcher Fall in der Presse, und die Kirchenleitung verlangte einen Bericht darüber. Im August 1889 hatten sich eine Trauung und drei Taufen angehäuft, so daß die Kirchenleitung das Pfarramt Ober-Beerbach mit der Erledigung beauftragte. Am 30. Oktober 1889 protokollierte der Kirchenvorstand von Ober-Beerbach seine Zustimmung zur Umpfarrung von Neutsch. Es dauerte bis 1896, dann erteilte die Landessynode ihre „verfassungsmäßige Zustimmung“, und die Umpfarrung von Neutsch konnte erfolgen.

1997 feierte die Kirchengemeinde den 100. Jahrestag der Einpfarrung mit einem Festgottesdienst und einem gemeinsamen Mittagessen in Neutsch. Heute finden in Neutsch monatlich zwei Gottesdienste statt. Die Gottesdienste in Neutsch fanden meistens im Bürgerhaus statt. In dessen Glockentürmchen hing eine Kirchenglocke aus Ober-Beerbach. Sie stammt aus dem Geläute, das die Kirchengemeinde 1921 giessen ließ – als Ersatz für die 1917 vom Militärfiskus beschlagnahmten Glocken. Von diesen drei neuen Glocken mußten im Januar 1942 zwei „abgeliefert“ werden, die kleinste Glocke mit einem Durchmesser von 65 cm und einem Gewicht von 140,5 kg im Ton „d“ durfte die Kirchengemeinde behalten. 1950 wurden für Ober-Beerbach drei neue Glocken gegossen, die übrig gebliebene wurde für 500 DM an die Gemeinde Neutsch verkauft. Am 30. April 1950 wurde sie in Neutsch mit einem Gottesdienst eingeweiht, der so gut besucht war, daß man den Altar kurzerhand im Freien aufstellte. Nach dem Abriss des alten Dorfgemeinschaftshauses finden die Gottesdienste an wechselnden Orten in Neutsch statt. Besondere Gottesdienste werden an Christi-Himmelfahrt und bei der Neutscher Kerb sowie an Heilig Abend die Christmette gefeiert, zu denen auch viele Freunde aus den Nachbarorten nach Neutsch kommen. 2007 feierte Neutsch den 660. Jahrestag seiner ersten urkundlichen Nennung. Zu diesem Fest mit vielen Veranstaltungen wurde auch eine Broschüre vom Ortsbeirat herausgegeben.